Während die Weltwirtschaft sich aufgrund der COVID-19-Coronavirus-Pandemie noch in Turbulenzen befindet, steht China in einer einzigartigen Position, um die nachfolgende Erholung anzuführen.

Wie andere Länder, die von COVID-19 betroffen sind, hat Chinas Wirtschaft im Verlauf des Ausbruchs stark gelitten. Chinas BIP schrumpfte im Zeitraum Januar-März im Jahresvergleich um 6,8 Prozent, einschließlich eines enormen Rückgangs von 39,2 Prozent in der Provinz Hubei, dem Epizentrum des Ausbruchs.

Jetzt jedoch hat China COVID-19 weitgehend unter Kontrolle gebracht und die Wirtschaft hat sich größtenteils wieder geöffnet. Im Kontrast dazu muss der Großteil der restlichen Welt in dieser Zeit noch mit dem Schlimmsten des Virus konfrontiert sein. Während sich viele Regierungen im Krisenmanagement befinden, blickt die chinesische Regierung nun nach vorne, um die Wirtschaft für den Rest des Jahres 2020 und darüber hinaus wieder auf den Wachstumspfad zu bringen.

Aufgrund der Größe der chinesischen Wirtschaft wird ihr Erfolg entscheidend zur Wiederbelebung der Weltwirtschaft als Ganzes beitragen. Mit dem Virus unter Kontrolle und einer ehrgeizigen Wirtschaftspolitik, die bald freigesetzt wird, scheint China in einer guten Position zu sein, um genau dies zu erreichen.

Coronavirus in China unter Kontrolle

China hat die Ausbreitung von COVID-19 weitgehend unter Kontrolle gebracht. Im Vergleich zu anderen großen Volkswirtschaften hat sich China gut gerüstet, um neue Fälle, die in der Zukunft auftauchen könnten, zu identifizieren und zu isolieren.

Nachdem das Virus Ende 2019 erstmals aufgetaucht war, breitete sich der Ausbruch im Januar und Anfang Februar rapide aus. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die meisten der weltweiten COVID-19-Fälle in China. Als die Regierung das Virus jedoch erkannte, reagierte sie mit strengen Maßnahmen, um dessen Ausbreitung einzudämmen.

Durch den aggressiven Einsatz von Quarantänen und sozialer Distanzierung sowie die Einführung von Technologien zur Verfolgung der Virusverbreitung gelang es den chinesischen Behörden, das Virus unter Kontrolle zu bringen. Die Gesamtzahl der gemeldeten Fälle stabilisierte sich bis Ende Februar bei knapp über 80.000, und zurzeit gibt es weniger als 1.000 aktive Fälle.

Infolge des Erfolgs Chinas bei der Bekämpfung des Virus haben die meisten Geschäfte wieder geöffnet – auch in Wuhan, der Stadt im Zentrum des Ausbruchs. Die Produktion in China zum Beispiel hat wieder zugenommen – auf etwa 80 Prozent des üblichen Niveaus. Die Fabriken werden wieder geöffnet und die Arbeiter kommen aus der Isolation heraus.

Bis zur Entwicklung eines Impfstoffs ist ein Wiederaufflammen von COVID-19 noch problematisch. Allerdings hat die China zur Bekämpfung des Ausbruchs die Infrastruktur bereits eingerichtet. Dies wird Chinas Behörden in die Lage versetzen, neue Ausbrüche zu isolieren. So haben die chinesischen Behörden beispielsweise Virustests an Arbeitsplätzen, Schulen und anderswo eingeführt und eine Smartphone-App zur Verfolgung des Gesundheitszustands der Benutzer eingeführt. Solche Maßnahmen werden es den Behörden ermöglichen, schnell auf neue COVID-19-Fälle zu reagieren, wie kürzlich in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang, die an Russland grenzt und im benachbarten Jilin – ein neuer Coronavirus-Hotspot.

Im Gegensatz zu China sind mehrere andere große Volkswirtschaften nun mit dem Schlimmsten des Virus konfrontiert. Bei den Strategien, die einige Regierungen anwenden, könnte die Ausbreitung des Virus möglicherweise noch lang andauern.

In den USA zum Beispiel hat sich COVID-19 im März gefährlich schnell ausgebreitet, und es gibt jetzt bereits über eine Millionen Fälle im Land. Obwohl die Ausbreitung des Virus in den USA noch lange nicht unter Kontrolle ist, haben einige Bundesstaaten bereits damit begonnen, ihre Sperren teilweise aufzuheben, und andere planen, dem Beispiel zu folgen. Solche Maßnahmen werden wahrscheinlich zu einer weiteren Ausbreitung des Virus führen, was bedeutet, dass der schlimmste Ausbruch in den USA mit hoher Wahrscheinlichkeit wesentlich länger dauern wird als in China.

Wie wird sich die weltweite wirtschaftliche Erholung vollziehen?

Aufgrund der Unvorhersehbarkeit von COVID-19 und der Fähigkeit der verschiedenen Länder, dessen Ausbreitung zu kontrollieren, ist der globale Wirtschaftsausblick höchst unsicher. Angesichts der aktuellen Situation rechnen Ökonomen jedoch im Allgemeinen mit einer Schrumpfung der Wirtschaft im Jahr 2020 vor einer möglichen Erholung im Jahr 2021.

Falls und wenn Chinas Konjunkturprogramme in Kraft treten, wird sich die Wirtschaft des Landes im Aufschwung befinden. Trotz der Schrumpfung der chinesischen Wirtschaft im ersten Quartal 2020 rechnet der IWF für das Jahr 2020 immer noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent. Für das Jahr 2021 prognostiziert der IWF ein Wachstum von 9,2 Prozent, womit China an der Spitze aller großen Volkswirtschaften liegen wird.

Die diesjährigen 1,2 Prozent liegen zwar deutlich unter dem Wachstum von etwa sechs Prozent, was von den meisten Ökonomen vor dem Ausbruch des Coronavirus für China erwartet wurde. Trotzdem wird China noch ein positives Wachstum erzielen – ein Beweis für seine Stärke. Und wenn die Projektionen des IWF richtig sind, wird China die verlorene Zeit im Jahr 2021 rasch wieder aufholen.

Im Gegensatz zu China prognostizieren Wirtschaftswissenschaftler, dass die meisten anderen großen Volkswirtschaften im Jahr 2020 schrumpfen werden. Obwohl die USA bereits riesige Geldsummen in die Stabilisierung der Wirtschaft freigesetzt haben, beispielsweise durch ein Finanzierungspaket in Höhe von 2,3 Billionen US-Dollar, rechnet der IWF damit, dass die Wirtschaft der USA 2020 um 5,9 Prozent schrumpfen und 2021 um 4,7 Prozent wachsen wird. In gleicher Weise erwartet der IWF, dass die Wirtschaft der Euro-Zone im Jahr 2020 um 7,5 Prozent zurückgeht, bevor sie im nächsten Jahr wieder auf 4,7 Prozent ansteigt.

Tatsächlich ist Indien die einzige andere große Volkswirtschaft, von der der IWF erwartet, dass sie am Ende des Jahres mit einem positiven Wachstum von 1,9 Prozent abschließen wird. Der IWF prognostiziert sogar, dass die ASEAN-5 – eine Gruppe der fünf größten Volkswirtschaften Südostasiens – im Jahr 2020 um 0,6 Prozent schrumpfen wird.

China und Indien sind somit die einzigen großen Volkswirtschaften, die 2020 voraussichtlich mit einem positiven Wachstum abschließen werden. Und als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt – um ein Vielfaches größer als die Indiens – wird China einen enormen Beitrag zum globalen Wachstum leisten.

Genauso wie die aufstrebenden asiatischen Märkte vor der COVID-19-Pandemie die Hauptträger des globalen Wirtschaftswachstums waren, werden sie für den Aufschwung eine wesentliche Rolle spielen. Da das Virus in China weitgehend unter Kontrolle ist und die Regierung mit den Ressourcen zur Stimulierung der Wirtschaft ausgestattet ist, wird China bei der globalen Erholung eine führende Rolle spielen. Was auf der Grundlage einer unvergleichbaren Produktionskapazität und eines enormen Verbrauchermarktes möglich ist.

Letztendlich wird eine globale Erholung jedoch von den Fähigkeiten der Regierungen weltweit abhängen, COVID-19 einzudämmen und dadurch künftige Ausbrüche zu verhindern und den Ländern die Wiederaufnahme der Geschäftstätigkeit zu ermöglichen. Im Falle der durch COVID-19 ausgelösten Wirtschaftskrise beginnt die wirtschaftliche Erholung also mit einer wirksamen Reaktion der Gesundheitswesen auf der ganzen Welt.

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